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Wann lohnt sich aus steuerlicher Sicht eine GmbH?

  • Autorenbild: Achim Schulte-Austum
    Achim Schulte-Austum
  • 10. März
  • 4 Min. Lesezeit

Die Wahl der passenden Rechtsform gehört zu den zentralen strategischen Entscheidungen für Unternehmer. Insbesondere bei steigenden Gewinnen stellt sich häufig die Frage, ob der Wechsel vom Einzelunternehmen oder der Personengesellschaft zu einer GmbH steuerliche Vorteile bietet.


Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend sind insbesondere die Höhe der Gewinne, der private Kapitalbedarf sowie die Frage, ob Gewinne im Unternehmen verbleiben oder ausgeschüttet werden. Im Folgenden wird dargestellt, unter welchen Voraussetzungen eine GmbH aus steuerlicher Sicht sinnvoll sein kann.


Wie wird eine GmbH steuerlich belastet?

Die GmbH unterliegt als Kapitalgesellschaft einer eigenständigen Besteuerung. Die steuerliche Belastung setzt sich im Wesentlichen aus folgenden Komponenten zusammen:

Steuerart

Steuersatz

Körperschaftsteuer

15 %

Solidaritätszuschlag

5,5 % auf die Körperschaftsteuer

Gewerbesteuer

je nach Hebesatz ca. 14–17 %

Insgesamt ergibt sich eine Steuerbelastung auf Unternehmensebene von etwa 30 % des Gewinns. Diese Belastung fällt unabhängig davon an, ob der Gewinn ausgeschüttet oder im Unternehmen belassen wird.


Rechtsgrundlagen sind insbesondere:

  • § 7 Abs. 1 Körperschaftsteuergesetz (KStG)

  • § 23 Abs. 1 KStG (Steuersatz von aktuell 15 %)

  • §§ 7 ff. Gewerbesteuergesetz (GewStG)


Wird der Gewinn an die Gesellschafter ausgeschüttet, erfolgt eine zweite Besteuerung auf Ebene des Anteilseigners. Bei privaten Gesellschaftern greift regelmäßig die Kapitalertragsteuer nach § 43 Abs. 1 Nr. 1 EStG in Höhe von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag.


Wie werden Einzelunternehmer steuerlich belastet?

Im Gegensatz zur GmbH erfolgt die Besteuerung bei Einzelunternehmern ausschließlich auf Ebene des Unternehmers. Der Gewinn unterliegt der Einkommensteuer.


Die wichtigsten Eckpunkte:

  • progressiver Einkommensteuertarif bis 45 % Spitzensteuersatz (§ 32a EStG)

  • Solidaritätszuschlag

  • ggf. Gewerbesteuer (mit teilweiser Anrechnung nach § 35 EStG)

Bei hohen Gewinnen kann die Gesamtbelastung daher deutlich über der Körperschaftsteuerbelastung einer GmbH liegen.


Ab welcher Gewinnhöhe lohnt sich eine GmbH?

In der steuerlichen Beratungspraxis hat sich eine grobe Orientierung etabliert:

Eine GmbH wird steuerlich häufig ab einem Gewinn von 100.000 € jährlich interessant.


Der entscheidende Punkt ist jedoch nicht nur die Gewinnhöhe, sondern insbesondere die Entnahmepolitik.


Beispielhafte Betrachtung

Szenario

Steuerliche Wirkung

Gewinn wird vollständig privat entnommen

kein steuerlicher Vorteil gegenüber Einzelunternehmen

Ein erheblicher Teil des Gewinns verbleibt im Unternehmen

deutlicher steuerlicher Vorteil durch niedrigere Unternehmensbesteuerung


Wer Gewinne im Unternehmen belässt, profitiert von der geringeren Steuerbelastung von etwa 30 % statt bis zu 45 % Einkommensteuer. Dadurch steht mehr Kapital für Investitionen oder Wachstum zur Verfügung.


Warum ist die Thesaurierung der entscheidende Faktor?

Der wesentliche steuerliche Vorteil der GmbH besteht in der Möglichkeit, Gewinne zunächst niedriger besteuert im Unternehmen zu belassen.


Während Einzelunternehmer den gesamten Gewinn eines Jahres versteuern müssen, kann die GmbH Gewinne thesaurieren und so Liquidität im Unternehmen aufbauen.

Dieser Effekt wird häufig als Steuerstundungseffekt bezeichnet.


Beispiel:

Gewinn

Steuer Einzelunternehmen

Steuer GmbH (thesauriert)

100.000 €

ca. 33.500 €

ca. 29.800 €

In diesem Beispiel verbleiben rund 3.600 € mehr Liquidität im Unternehmen. Der Vorteil wächst mit steigenden Gewinnen und einer langfristigen Reinvestitionsstrategie.


Welche Rolle spielt das Geschäftsführergehalt?

Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH können sich ein Geschäftsführergehalt auszahlen. Dieses hat steuerlich eine besondere Wirkung:

  • Das Gehalt ist Betriebsausgabe der GmbH (§ 4 Abs. 4 EStG analog).

  • Es reduziert den steuerpflichtigen Gewinn der Gesellschaft.

  • Beim Geschäftsführer unterliegt es der Einkommensteuer.


Wichtig ist dabei, dass das Gehalt fremdüblich sein muss. Andernfalls kann eine verdeckte Gewinnausschüttung (vGA) vorliegen.


Welche weiteren Faktoren sollten Unternehmer berücksichtigen?

Neben der reinen Steuerbelastung spielen weitere Aspekte eine wichtige Rolle.


1. Haftungsbeschränkung

Die GmbH ist eine juristische Person. Gesellschafter haften grundsätzlich nur mit dem Gesellschaftsvermögen (§ 13 Abs. 2 GmbHG).


2. Laufende Kosten

Eine GmbH verursacht höhere administrative Aufwände:

  • doppelte Buchführung

  • Jahresabschluss und Offenlegung

  • höhere Steuerberatungskosten


3. Gründungskapital

Für eine GmbH ist ein Stammkapital von 25.000 € erforderlich (§ 5 Abs. 1 GmbHG).


Die Frage nach einer GmbH sollte umfangreich beleuchtet werden.
Die Frage, ob sich eine GmbH lohnt, sollte umfangreich beleuchtet werden.

Fazit: Wann lohnt sich eine GmbH wirklich?

Eine GmbH lohnt sich aus steuerlicher Sicht insbesondere dann, wenn mehrere der folgenden Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Jahresgewinne deutlich über 100.000 €

  • ein Teil der Gewinne soll im Unternehmen verbleiben

  • langfristige Reinvestitionen oder Vermögensaufbau sind geplant

  • Unternehmer benötigen nicht den gesamten Gewinn privat


Wer hingegen den gesamten Gewinn regelmäßig entnimmt, erzielt häufig keinen steuerlichen Vorteil gegenüber einem Einzelunternehmen.

Die Entscheidung für eine GmbH sollte daher stets im Rahmen einer individuellen steuerlichen Gestaltungsberatung getroffen werden.


FAQ: Häufige Fragen zur steuerlichen Vorteilhaftigkeit der GmbH


Ab welchem Gewinn lohnt sich eine GmbH steuerlich?

  • In vielen Fällen wird eine GmbH ab etwa 100.000 € Jahresgewinn steuerlich interessant. Entscheidend ist jedoch, ob ein Teil der Gewinne im Unternehmen verbleibt.


Warum ist eine GmbH bei thesaurierten Gewinnen steuerlich attraktiv?

Gewinne, die im Unternehmen verbleiben, werden nur mit etwa 30 % Körperschaft- und Gewerbesteuer belastet. Dadurch steht mehr Kapital für Investitionen zur Verfügung.


Ist die GmbH immer steuerlich günstiger als ein Einzelunternehmen?

Nein. Wenn Gewinne vollständig ausgeschüttet werden, kann die Gesamtsteuerbelastung ähnlich hoch oder sogar höher sein.


Wie wirkt sich das Geschäftsführergehalt steuerlich aus?

Das Geschäftsführergehalt ist Betriebsausgabe der GmbH und mindert deren Gewinn. Beim Geschäftsführer unterliegt es der Einkommensteuer.


Was ist eine verdeckte Gewinnausschüttung?

Eine verdeckte Gewinnausschüttung liegt vor, wenn ein Gesellschafter einen Vorteil erhält, den ein fremder Dritter nicht erhalten hätte. Die steuerlichen Folgen sind in der Rechtsprechung des BFH umfangreich geklärt.


Welche steuerlichen Nachteile hat eine GmbH?

Zu den Nachteilen gehören insbesondere die Doppelbesteuerung bei Ausschüttungen, höhere administrative Kosten und strengere gesellschaftsrechtliche Pflichten.


Kann ein Einzelunternehmen später in eine GmbH umgewandelt werden?

Ja. Eine steuerneutrale Umwandlung ist unter bestimmten Voraussetzungen nach den Regelungen des Umwandlungssteuergesetzes (UmwStG) möglich.


Welche Rolle spielt die Gewerbesteuer bei der Entscheidung?

Bei Einzelunternehmen wird die Gewerbesteuer teilweise auf die Einkommensteuer angerechnet (§ 35 EStG). Bei einer GmbH erfolgt diese Anrechnung nicht.

Wenn Sie Fragen zu diesem Thema oder anderen steuerlichen Themen haben: Wir beraten Einzelunternehmen, Freiberufler und Gesellschaften vollumfänglich.


Alle Beiträge werden nach bestem Wissen und mit großer Sorgfalt zusammengestellt. Dennoch kann keine Haftung oder Gewähr für die Inhalte übernommen werden. Da die Darstellungen teilweise vereinfacht sind und individuelle Umstände nicht berücksichtigt werden können, stellen sie keinen Ersatz für eine persönliche Beratung dar.

 
 
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