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Steuergestaltung: Investitionsabzugsbetrag richtig nutzen

  • Autorenbild: Achim Schulte-Austum
    Achim Schulte-Austum
  • vor 1 Tag
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 15 Stunden

Der Investitionsabzugsbetrag (IAB) gehört zu den wirkungsvollsten Instrumenten der Steuergestaltung für kleine und mittlere Unternehmen. Wer ihn geschickt einsetzt, kann seine Steuerlast senken, Liquidität aufbauen und Investitionen strategisch planen. Trotzdem wird der IAB oft falsch genutzt oder unterschätzt. In diesem Artikel wollen wir daher aufzeigen, wie Sie den IAB auch und insbesondere im Jahr 2026 steueroptimal einsetzen.


  1. Das Prinzip: Heute Steuern sparen, Morgen investieren


Normalerweise mindern Investitionen den Gewinn erst nachdem Sie investiert haben. Mit dem IAB wird dieses Prinzip umgekehrt. Sie können bis zu 50 % der voraussichtlichen Anschaffungskosten eines geplanten Wirtschaftsgutes (z. B. Maschinen, IT-Hardware, Fuhrpark) gewinnmindernd abziehen – und zwar bereits bis zu drei Jahre vor der eigentlichen Anschaffung.


Das bedeutet: Sie senken Ihre Steuerlast sofort und haben dadurch mehr Liquidität zur Verfügung, um die Investition später tatsächlich zu finanzieren.


Es wird eine Beratung bezüglich eines IAB dargestellt
Besonders wichtig ist es sich bei Nutzung des IAB kompetent beraten zu lassen.

  1. Wer darf den IAB nutzen?


Die Hürden für den IAB auf persönlicher Ebene sind erfreulich niedrig und wurden in den letzten Jahren zudem vereinheitlicht. Die wichtigste Voraussetzung ist die Einhaltung der Gewinngrenze:


  • Gewinngrenze: Ihr steuerlicher Gewinn darf im Jahr der Bildung des IAB nicht höher als 200.000 € sein. Dabei ist es egal, ob Sie bilanzieren oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung erstellen.


Der Gesetzgeber richtet den IAB damit gezielt an kleine und mittlere Betriebe.


  1. Für welche Investitionen darf der IAB genutzt werden?


Begünstigt sind abnutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die mindestens bis zum Ende des dem Wirtschaftsjahr der Anschaffung folgenden Wirtschaftsjahres ausschließlich oder fast ausschließlich betrieblich genutzt werden.


Typische Anwendungsfälle:


  • Handwerksbetriebe, die Werkzeuge anschaffen

  • Logistikunternehmen, die in ihren Fuhrpark investieren

  • Bauunternehmen, die Maschinen-Investitionen tätigen

  • Gastronomiebetriebe, die Küchengeräte anschaffen

  • Ärzte, die Diagnostikgeräte planen


Im Allgemeinen können vom IAB also Branchen oder Unternehmen profitieren, die regelmäßig größere Investitionen tätigen müssen. Im Besonderen begünstigt sind dabei Unternehmen, die sich im Aufbau oder Wachstum befinden und profitabel sind: Diese Unternehmen können die Steuerlast durch fortlaufende Investitionen immer weiter in die Zukunft verschieben und freigewordenes Kapital kaskadenartig für weitere Investitionen nutzen.


  1. Die richtige Strategie: In welchen Fällen lohnt sich der IAB besonders?


Der IAB ist weit mehr als nur ein Aufschub. Er ist ein strategisches Planungstool:


  • Progressionsglättung: Hatten Sie ein außergewöhnlich erfolgreiches Jahr? Nutzen Sie den IAB, um Ihren Gewinn unter eine bestimmte Progressionsstufe zu drücken und so den persönlichen Steuersatz zu senken: Sinnvoll für Einzelunternehmen und Personengesellschaften.

  • Anschubfinanzierung: Die Steuerersparnis durch den IAB wirkt wie ein zinsloses Darlehen des Finanzamtes. Das Geld, das Sie nicht an den Fiskus zahlen, können Sie für die geplante Investition nutzen.

  • Kombination mit der Sonderabschreibung: Wenn Sie das Wirtschaftsgut schließlich kaufen, können Sie zusätzlich zum IAB oft noch eine Sonderabschreibung nutzen. Das drückt die Steuerlast im Jahr der Anschaffung erneut massiv.


  1. Typische Fehler in der Praxis


In der Beratungspraxis zeigt sich immer wieder, dass der Investitionsabzugsbetrag zwar gern genutzt wird, jedoch manchmal bereits an den formellen Voraussetzungen scheitert, zum Beispiel:


  • Bildung eines IAB ohne realistische Investitionsabsicht

  • Private Mitnutzung des Wirtschaftsguts


Folglich kommt es zum rückwirkenden Wegfall des IAB sowie zu unerfreulichen Steuernachzahlungen nebst Verzinsung.


Zudem wird der IAB in der Praxis häufig steuerstrategisch falsch genutzt:


  • Timing-Fehler: Unternehmer bilden den IAB oft einfach dann, wenn sie eine Anschaffung planen oder wenn Sie die Abschlusszahlung zur Einkommen- und Gewerbesteuer momentan nicht zahlen wollen. Dies führt vielfach dazu, dass der Abzug in durchschnittlichen oder sogar schwachen Jahren erfolgt und der Effekt fast wirkungslos verpufft. In besonders erfolgreichen Jahren fehlen dann oft die Abzugsmöglichkeiten. Deswegen ist es besonders wichtig sich in der Ausübung des Wahlrechts kompetent beraten zu lassen.


6. Fazit: Richtig genutzt ein starkes Werkzeug


Der Investitionsabzugsbetrag ist eines der wirkungsvollsten Instrumente zur Steuergestaltung für kleine und mittlere Unternehmen. Der IAB kann erhebliche Liquiditätsvorteile und flexible Möglichkeiten zur Gewinnverlagerung bieten. Voraussetzung ist jedoch eine saubere Planung und laufende Kontrolle durch Ihren Berater. Wer den IAB strategisch einsetzt und regelmäßig überprüft, kann seine Steuerbelastung nachhaltig optimieren.


Wenn Sie Fragen zu diesem Thema oder anderen steuerlichen Themen haben: Wir beraten Einzelunternehmen, Freiberufler und Gesellschaften vollumfänglich.


Alle Beiträge werden nach bestem Wissen und mit großer Sorgfalt zusammengestellt. Dennoch kann keine Haftung oder Gewähr für die Inhalte übernommen werden. Da die Darstellungen teilweise vereinfacht sind und individuelle Umstände nicht berücksichtigt werden können, stellen sie keinen Ersatz für eine persönliche Beratung dar.

 
 
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